Zeltingerband “Der Retter ist zurück”

Nun ja, retten wird uns die “Plaat” auch nicht vor all den musikalischen Retorten-Mutanten aus den diversen Castingshows. Der Titel ist jedoch ein guter Marketing-Gag. Aber eines ist klar, “Onkel Jürgen” war und ist ein absolutes kölsches Original. Jürgen Zeltinger blieb sich immer treu. Es ist beruhigend zu wissen, dass es solche Typen und Bands noch gibt. Über 30 Jahre Bühnenerfahrung hat er schon hinter sich gebracht und wer sich für seine ausführliche Biographie interessiert, dem empfehlen wir den Link www.de.wikipedia.org/wiki/Zeltinger_Band .

Zeltinger kennt Comebacks, das Auf und Ab im Musikgeschäft zu Genüge. Er ist häufig hingefallen und dann wieder aufgestanden. Und jetzt überrascht uns Jürgen mit einem Plattendeal bei der EMI, dem Produzenten Arno Steffen (dessen Handschrift klar erkennbar ist) und neuen, frischen Liedern. Die neue CD “Der Retter ist zurück” ist ähnlich dynamisch wie das Erstlingswerk “Live im Roxy” (1979), teilweise ist der punkangetouchte Ramones-Sound erkennbar.

Vorab, die Texte sind klasse, originell und aus dem Leben gegriffen. Und da ist auch unser einziger kleiner Kritikpunkt an dem Gesamtwerk “Der Retter ist zurück”. Teilweise geht Jürgens Stimme etwas unter; die Instrumente wirken stellenweise zu dominant in den Vordergrund geschoben. Das Cover und das Booklet (ja, wir sind altmodisch, keine ausgewiesenen Downloader und möchten noch etwas vom Projekt in der Hand haben) speziell die Idee mit den Arbeitsamtstempel “Unvermittelbar” auf den Bandmitgliederfotos ist klasse und stimmig, dem “Typ” Zeltinger wie auf den Leib geschrieben.

Meine Anspieltipps aus den 12 Tracks sind: “Unvermittelbar, Deine Ex, Der Schmeichler, Die Hoffnung stirbt zuletzt”. Der Favoritensong ist “Politoxologie”, seht dazu die Story als recht gelungenes Low-Budget-Video.

Als Bonus gibt es noch eine Bonus-CD, ein Hörbuch, in dem Zeltinger diverse Geschichten basierend aus seinem Kultbuch “Die Zeltinger Story-Chronik einer Jagd” erzählt. Das bewegte Leben als Rock´n´ Roller…..Dies rundet das neue Projekt “Die Rückkehr des Retters” wunderbar ab. “Gesagt, getan.”

Mehr unter www.zeltingerband.de

Hier auch der wirklich interessante Pressetext der Zeltingerband zum neuen
Album: „Die Rückkehr des Retters“

Der Mann ist nicht zu übersehen! Zeltinger ist der unangefochtene Schwergewichtschampion der kölschen Rock´n´Roll-Szene. „De Plaat“ (die Glatze) lernte schon früh, sich durchzuboxen, in jungen Jahren kletterte er freilich noch als Mittelgewicht in den Ring. Überhaupt hat der Kölner Kahlkopf als Knabe viel Sport getrieben, häufig fuhr der Junge mit dem Bus zum Schwimmen in die Sportanlage des Müngersdorfer Stadions, davon wird noch die Rede sein.

Passend zu seiner Begeisterung für den Schwimmsport heißt sein aktuelles Album „Die Rückkehr des Retters“. Schon einmal hatte Zeltinger den rheinischen Rock davor bewahrt, in den seichten Gewässern von Prog- und Hippie-Gedudel zu ertrinken. Das war im Jahr 1979 als mit „De Plaat im Roxy & Bunker Live“ der Rock´n´Roll auf Kölsch Einzug in die Domstadt hielt. Mit diesem Album begann eine neue Zeit in Deutschland. Nie zuvor hatte ein schwuler Rocker im Tigerslip die Säle mit Liedern über Sozialamt, Tunten und Straßenstrich zum Kochen gebracht. Schon kurz nach Veröffentlichung pfiffen die Spatzen Zeltingers Schwarzfahrer-Hymne „Müngersdorfer Stadion“ mit ihrem frischen Ramones-Sound von den Dächern.

Bis zu seinem Durchbruch war es freilich ein langer Weg, voll gestellt mit zahllosen Hindernissen. Immerhin hatte man Klein-Jürgens musikalisches Talent schon in der Volksschule an der Trierer Straße entdeckt. „Ich habe im Chor gesungen und Fiedel gespielt. Später habe ich sogar ein Stipendium für die Musikhochschule bekommen“, berichtet Zeltinger. Die Fiedel stellte er irgendwann in die Ecke, stattdessen griff er zu der Gitarre, die ihm sein Vater, ein konserativer Malermeister, geschenkt hatte. „Ich hatte nur noch Beat im Kopf und hing jeden Tag im „Storyville“ am Kaiser-Wilhelm-Ring rum, wo die englischen Bands spielten.“ Eine Lehre als Karosserieschlosser fand ihr Ende, nachdem der Azubi auf die Ohrfeige des Meisters mit einer schulmäßigen rechten Geraden antwortete, die den Lehrherrn zu Boden streckte. Immer wieder riss der Halbwüchsige von Zuhause aus, am Ende landete er im Don Bosco Heim für Schwererziehbare, wo er sexuelle Zudringlichkeiten des Erziehers über sich ergehen lassen musste. Er ergriff die Flucht und trampte mit acht Mark in der Tasche nach Paris, wo ihn die Flics prompt schnappten und zurückschickten. Wenig später musste er der JVA Ossendorf, „wegen Haschisch“, einen Kurzbesuch abstatten.

„Ich war ein rauer Junge“, sagt Zeltinger rückblickend. Immer wieder kollidierten die Vorstellungen von Eltern, Erziehern und Justiz mit seinem unbändigen Freiheitswillen. Allen Widrigkeiten zum Trotz verfolgte Zeltinger seinen Traum vom Musikerleben immer weiter. Er gründete Bands mit anglophilen Namen wie Circle Line und Stonehedge. Schon 1967 sang er auf der Bühne des Londoner Roundhouse Lieder auf Kölsch. In seiner Heimat wollte derartige Lieder niemand hören. „Mit der Idee bin ich nicht durchgekommen, weil jeder, aber auch jeder sagte: Das kannste nit mache´, das hat keine Zukunft“, erinnert er sich. Ein ums andere Mal zog es den rastlosen Rocker auf die Straße, mal reiste er mit seinem Freund Heiner Lauterbach nach Paris, mal driftete er nach Spanien. Er machte Straßenmusik auf Ibiza, betrieb eine Kneipe auf Menorca – doch stets zog es ihn wieder zurück nach Köln.

Zu Karneval 1979 war es soweit, elektrische Gitarren und kölsche Texte fanden auf der Bühne des (alten) Roxy zusammen. „Das halbe Schlagzeug stand auf´m Klo“, wundert sich „de Plaat“ heute noch. Die Sause wurde von Kult-Produzent und Zeltinger-Fan Conny Plank (Kraftwerk, Can, Scorpions, Eurythmics etc.) mitgeschnitten, noch bevor es einen Plattenvertrag ab. Ein Deal ließ nicht lange auf sich warten. Der Z-Mann bestand mangels Girokonto auf „Cäsh innä Täsch“, folglich händigte ihm der Gesandte der Plattenfirma 30.000 Mark in bar aus. „Da bin ich stolz wie Oskar die Hohe Straße runter, nie im Leben hatte ich so viel Geld in der Tasche gehabt.“ Er leistete sich ein Edelfeuerzeug, eine Luxusuhr und einen Urlaub auf Mallorca – in Herrenbegleitung. Nach seiner Rückkehr forderte Conny Plank sieben weitere Songs, die im Proberaum „Bunker“ aufgenommen wurden. Am Ende stand das explosivste Stück Kölschrock, das die Republik je gehört hatte. „Stüverhoff“ war eine Stricher-Ode zu den Klängen von Lou Reeds „Walk On The Wild Side“, „Panzerfahrer“ entpuppte sich als purer Punk, anhand von „Mein Vater war ein Wandersmann“ wurde ein Volkslied verrockt und mit „Müngersdorfer Stadion“ erschallte schließlich das rebellische Ramones-Cover.

Nach dem durchschlagenden Erfolg des Zeltinger-Debüts legte die „hellste Plaat von Kölle“ nach, bereits ein Jahr später erschien „Schleimig“. Sein „Asi mit Niwoh“ wurde zum nächsten Hit. „In Wahrheit ist an mir gar nix Asi“, sagt Zeltinger heute, „ich habe meine Meinung durchgesetzt, das halten einige für asozial, aber die verwechseln da etwas. Ich war sehr direkt, so wird man gelegentlich auch mal missverstanden.“ 1981 folgte der nächste Streich, „Der Chef“ redete aufs neue Klartext, Nummern wie „Blutsauger“ und „Wichsfigur“ ließen keine Fragen offen. „Wir machen ´ne aggressive Musik und da gehört auch ´ne aggressive Sprache dazu. Sonst würd´ das nicht zusammen passen“, stellt Zeltinger fest. Seine ersten drei Alben hat die EMI kürzlich auf CD herausgebracht, nachdem es sie zuvor nur auf Vinyl gab.

Danach kamen eine ganze Reihe geschmackvoller Studio- und Live-Produktionen des Kölsch-Rock-Dinos, darunter Perlen wie die melodische „Solo Plaat“ (1992), die im Team mit Wolfgang Niedecken von BAP entstand, und das kompakte „Faktor Z“ (1996), das krachenden Hard Rock mit Handkante präsentierte.

Im Jahr 2010 haben Casting-Shows mit ihren Retorten-Poppern die deutsche Musikszene fest im Griff. Höchste Zeit also für „Die Rückkehr des Retters“. Inzwischen hat der Kult-Kölner die Sechzig überschritten, sein 61. Geburtstag wird mit einem Konzert in der JVA Ossendorf gefeiert. Seine Stimme hat in all den wilden Jahren an Ausdruck sogar noch zugelegt. Kraftvoll schmettert er derbe Rocker wie „Unvermittelbar“ und „Frittebud“ ins Mikro und prangert den „Betrug“ von Banken und U-Bahnbauern an. In „Deine Ex“ weint er der Ehemaligen eines Kumpels keine Träne nach, mit „Ich kaufe nix“ zeigt er aufdringlichen Vertretern den Mittelfinger. Gerd Köster untestützte als Gastsänger die Songs „Unvermittelbar“ & „Haute Volée“ und Thommy Engel „Unvermittelbar“ und „Deine Ex“.
In dem verschmitzten Bossa Nova „Der Schmeichler“ zeigt Zeltinger schließlich seinen weichen Kern, mit zartem Schmelz in der Kehle umgarnt er sein hilfloses Gegenüber. Fast alle Lieder wurden ihm von seinem Gitarristen Volker Voigt auf den imposanten Leib geschrieben und von Produzent Arno Steffen – der schon an „De Plaat im Roxy & Bunker Live“, „Schleimig“ und „Der Chef“ mitgewirkt hatte – mit einem fetten Sound versehen. „Wir machen keine Musik zum Berieseln“, stellt Zeltinger klar, „wir spielen das, was wir wollen.“ Und seine Zukunftspläne? Der Chef braucht nicht lange nachzudenken: „Ich mache Musik bis es nit mehr weitergeht – und dann sehen wir weiter.“

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Über gerdboettcher

Ich bin der Gründer des Bandscomeback-Portals und selber musikschaffender Member unter dem Künstlernamen-Blog Doc Ben G.. Als Redakteur schreibe ich Artikel für BCB und stehe bei Fragen als Ansprechpartner zu Verfügung.

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