Musikdownloads auf Kosten der Steuerzahler?

Der französische Staat geht mit umstrittenen, harten Maßnahmen gegen illegale Musikdownloads vor. Um andererseits legale Download-Angebote zu fördern und junge Menschen daran zu gewöhnen, überhaupt Geld für Musik auszugeben, greift Frankreich zu Subventionen. Der schon länger bekannte Plan ist diese Woche von der EU-Kommission genehmigt worden. Aber sind Musikdownloads auf Kosten der Steuerzahler eine gute Idee und vielleicht ein Vorbild für Deutschland?

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Wer in Frankreich illegal Musik aus dem Internet lädt, muss mit harten Maßnahmen bis hin zur Sperrung des Internetzugangs für 12 Monate rechnen. Daran ließe sich viel kritisieren, doch darum soll es hier aber nicht gehen, sondern um eine Maßnahme, die gewissermaßen am entgegengesetzten Ende ansetzt. Gerade hat die Europäische Kommission „eine französische Regelung zur Förderung legaler Musikdownloads nach den EU-Beihilfevorschriften“ genehmigt.

Es geht um die Carte Musique, die Personen zwischen 12 und 25 Jahren einmal pro Jahr kaufen können. Mit der Gutscheinkarte können Songs im Wert von 50 Euro heruntergeladen werden, wobei die Karte selbst nur 25 Euro kostet. Die andere Hälfte kommt vom Staat, also letztlich von den Steuerzahlern.

Die Idee hinter der Carte Musique klingt erst einmal gut: Junge Menschen sollen über die Gutscheinkarte einen Anreiz erhalten, überhaupt legale Download-Quellen zu nutzen. Immerhin ist (nicht nur in Frankreich) eine Generation herangewachsen, für die illegale Downloads stets leicht verfügbar waren. Überhaupt werden illegale Kopien digitaler Medieninhalte von vielen Menschen als Verbrechen ohne Opfer betrachtet. Auf diese Weise geklaute Musik ist ja nicht weg, sondern existiert sogar doppelt.

Es muss allerdings bezweifelt werden, dass überzeugte Musikpiraten sich durch einen Preisnachlass bekehren lassen. Ein Rabatt auf ein Produkt, das man anderswo auch kostenlos bekommen kann, scheint mir nicht der Markting-Einfall des Jahrzehnts zu sein. Abgesehen davon, dass man für 25 bzw. 50 Euro nur recht wenige Songs erhält, muss man immerhin überhaupt erst einmal Geld ausgeben. Wer zumindest gelegentlich Download-Musik kauft, wird sich über den Rabatt auf Kosten der Steuerzahler natürlich freuen.

Wer normalerweise kein Geld für Musik gibt, wird der Rabatt nicht interessieren. Wenn man also überhaupt in dieser Richtung aktiv werden möchte, wäre es besser, kostenlose Gutscheine für Musikdownloads an Jugendliche zu verteilen. Diese würden mit Sicherheit von den meisten jungen Menschen verwendet werden. Und der eine oder andere kommt so vielleicht tatsächlich auf den Geschmack. Gratis-Aktionen und Rabatte gehören allerdings zum ganz normalen Repertoire im Musikverkauf, da muss der Staat nicht aktiv werden! Das kann die Musikindustrie alleine.

Das Hauptproblem liegt meiner Ansicht nach woanders: Was stimmt nicht im Verhältnis von Musikhörern und Musikern? Wer Musik liebt, sollte sie fördern, anstatt die Menschen, die dafür arbeiten, um ihren Lohn zu bringen. Müsste es nicht ein inneres Bedürfnis geben, das äußeren Zwang weitgehend überflüssig macht?

Über Oliver Springer 368 Artikel
Ich bin Blogger und schreibe neben Musik über Themen wie Web 2.0, Mobilfunk und Kaffee.
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