Wenn ein bekannter Musiker stirbt, schnellen die Verkaufszahlen für seine Musik sofort in die Höhe. In den “normalen” Verkaufscharts macht sich das erst mit Verzögerung bemerkbar, doch beim digitalen Vertrieb ist dieses Phänomen sofort zu beobachten.
Die Nachricht vom Tode Whitney Houstons erreichte die Menschen in Deutschland, als die Geschäfte am Wochenende bereits geschlossen waren. In Downloadshops dagegen kann rund um die Uhr eingekauft werden, auch an Sonntagen. Der Kauf in Downloadshops eignet sich außerdem besonders gut für Spontankäufe. Deshalb überrascht es nicht, dass media-control heute einen extremen Nachfrageanstieg bei den Downloads der Songs und Alben von Whitney Houston meldete.
100-faches Interesse an den Download-Alben
Der Verkauf physischer Tonträger mit der Musik der verstorbenen Soulsängerin wird in den nächsten Wochen bestimmt ebenfalls deutlich über den Normalwerten liegen, aber ich bezweifle, dass er so stark ausfallen wird die bei den Downloads. Die Single-Downloads von Whitney Houston Songs waren am am Sonntag 28 Mal so hoch wie sonst. Die Nachfrage bei den Downloads ihrer Alben war sogar fast 100 Mal so groß.
Der beliebteste Einzeltrack war gestern “I Will Always Love You” aus dem Soundtrack zum Film “Bodyguard”, dahinter folgten “One Moment In Time” und “I Wanna Dance With Somebody”. Hatte die besonders hohe Nachfrage nach “I Will Always Love You” vielleicht damit zu tun, dass der Fernsehsender Das Erste den Film “Bodyguard” am späten Abend ausstrahlte? (In der Nacht von Donnerstag auf Freitag lief der Film übrigens schon im regulären Programm, doch war das Interesse vor dem Tod von Whitney Houston deutlich geringer.)
Platz 1 für den Rekord-Song
Als “I Will Always Love You” veröffentlicht wurde, half der Rückenwind durch den Kinofilm auf jeden Fall. 14 Wochen lang blieb Whitney Houston damit an der Spitze der US-Charts. 14 Wochen auf Platz eins der Hot 100 war damals nicht nur ihr persönlicher Rekord, sondern überhaupt ein neuer Rekord. Damit übertraf Whitney Houston sogar den 13-Wochen-Rekord von Boyz II Men mit deren “End Of The Road” (Das ist übrigens ebenfalls ein Lied aus einem Kinohit: “End Of The Road” war einer der vielen guten Songs aus “Boomerang” mit Eddie Murphy in der Hauptrolle.). Was vielleicht nicht jeder weiß: “I Will Always Love You” war bereits Mitte der 70er Jahre ein Nummer-eins-Hit: in den Country Single Charts, gesungen und geschrieben von Dolly Parton.
Bei den Whitney Houston-Alben hatte “The Ultimate Collection” gestern die allermeisten Downloads. (Gleichzeitig war es das am Sonntag allgemein am meisten heruntergeladene Album in Deutschland.) Auf dem zweiten Rang befindet sich ebenfalls kein Studioalbum, sondern eine Compilation: “The Essential Whitney Houston”. Platz drei belegt der Soundtrack des Films “Bodyguard”.
Treiben die Medien den Verkauf?
Ich finde es jedesmal unheimlich, wie die Verkaufszahlen eines Künstlers unmittelbar nach dessen Tod in die Höhe schießen. Verleihen die Fans damit der Trauer über den Tod ihres Stars Ausdruck? Oder lässt sich hier nur besonders gut beobachten, dass sich mit extremer medialer Präsenz ein “direkter Kaufbefehl” an die Masse der Konsumenten erteilen lässt?
In den USA sorgte der Tod von Whitney Houston, der die gesamte Veranstaltung überschattete, für einen extremen Anstieg der Zuschauerzahlen bei der Grammy-Verleihung. Die Live-Übertragung der Grammy Awards erzielte die zweitbesten Einschaltquoten aller Zeiten. In Deutschland konnten die Grammy Awards 2012 live im TV aufgrund der Zeitverschiebung kein solch Zuschauermagnet werden. Um 2 Uhr morgens konnte ProSieben nicht auf ein großes Fernsehpublikum hoffen. Die Höhepunkte der Grammy Awards 2012 sind heute Abend übrigens ab 23:15 auf sixx zu sehen.







Der Ansturm war zu erwarten. Es ist wirklich das Gleiche, wie damals, als ein gewisser Herr Jackson gestorben war. Plötzlich waren alle Fans der ersten Stunde – selbst Kids, die in den 80ger nicht einmal gelebt haben.