Trend zum Streaming von Musik – media-control reagiert mit speziellen Charts

BCB Logo hellOnline Musik anhören, also Streaming von Songs, hat inzwischen so viele Anhänger in Deutschland gefunden, dass media-control dafür eigene Charts „erfunden“ hat. Neben den allgemeinen Verkaufscharts für Singles und Alben gab es bisher schon eigene Charts für Newcomer sowie für Downloads und auf Independent Labels veröffentlichte Musik.

Ob man als Musikhörer aus den Charts – welchen auch immer – Anregungen bezieht, oder ob es heute weit bessere Quellen gibt, um Musik zu entdecken, sei einmal dahingestellt. So oder so kann es interessant sein zu erfahren, was bei vielen Menschen gut ankommt. Das gilt besonders, wenn man Musik nicht nur hört, sondern sich aus anderen Gründen regelmäßig damit befasst, etwa als Musiker oder als Medienschaffender. Was man mit diesem Wissen anfängt, wie weit man sich davon bewusst beeinflussen lässt, ist noch einmal eine ganz andere Frage.

Wie kommen die neuen Charts zustande?

Die neuen Streaming-Charts, die media-control zum Wochenanfang der Öffentlichkeit vorgestellt hat, bestehen aus 20 Positionen. In die Auswertung fließen Lieder ein, die mindestens 30 Sekunden lang mittels On-Demand-Musik-Streams bei einem der wichtigen Anbieter wie simfy oder Spotify angehört wurden. Die Marktforscher berücksichtigen sowohl kostenpflichtige als auch kostenlose Streaming-Angebote in Deutschland. Wie sonst auch beginnt der Ermittlungszeitraum jeweils freitags und endet donnerstags.

media control Geschäftsführerin Ulrike Altig zu den neuen Charts: „Streaming spielt in Deutschland eine immer bedeutendere Rolle. Stöbern statt sammeln ist die Devise. Mit der Einführung der Streaming-Charts stellen wir eine Orientierungshilfe zur Verfügung, die einen spannenden Überblick über das Konsumenteninteresse innerhalb dieses jungen Marktsegments liefert.“

Noch ein wenig früh?

Ich bin ein wenig überrascht, dass media-control jetzt schon Streaming-Charts einführt, denn zumindest auf die speziellen Streaming-Dienste für Musik entfallen laut Informationen des Bundesverbands Musikindustrie aus dem letztem Monat erst 2 Prozent des täglichen Musikhörens. Selbst wenn man andere Möglichkeiten, Musik auf Abruf online zu hören (etwa die Angebote der Videoportale) miteinbezieht, kommt man hier auf einen recht kleinen Wert.

Andererseits hat das Interesse sowohl auf Seiten der Musikfans als auch auf Seiten der Musikindustrie zuletzt sehr stark zugenommen, was das On-Demand-Streaming von Musik (also den Abruf ganz bestimmter Titel durch die User) angeht. Die Auswahl an Streaming-Portalen sowie an Titeln, die auf Abruf angehört werden können, ist jetzt deutlich größer als etwa vor einem Jahr. Und das ist – so meine feste Überzeugung – erst der Anfang einer Entwicklung, die das Hören von Musik nachhaltig verändern wird.

Gehört wird nicht unbedingt, was gerade gekauft wird

Die neuen Streaming-Charts verdeutlichen, dass Verkaufscharts nicht widerspiegeln, welche Lieder derzeit besonders oft gehört werden. Die erste Ausgabe der Streaming-Charts unterscheidet sich nämlich stark von den Single-Verkaufscharts sowie von den Download-Single-Charts. Die Hälfte der 20 Titel aus den Streaming-Charts ist in den Top 20 der Verkaufscharts nicht einmal dabei. Dafür finden sich sich hier Stücke, die noch nicht (zum Beispiel „Hi Kids“ von Cro) oder nicht mehr (beispielsweise „Young, Wild & Free“ von Snoop Dogg & Wiz Khalifa feat. Bruno Mars) in den Verkaufscharts sind bzw. waren.

Ganz oben in den ersten Streaming-Top-20 ist Alex Care mit seinem Hit „Too Close“. Dahinter folgen Cro mit „Easy“ und die US-Alternative-Band Train mit „Drive By“. In der bereits heute veröffentlichten zweiten Ausgabe der Streaming-Charts ist die Top 3 übrigens nicht verändert. Nur noch zwei weitere Positionen bleiben unverändert.

In Zukunft mehr Vergangenheit?

Ich bin gespannt, wie die Streaming-Charts in einigen Jahre aussehen, wenn sich diese Form des Musikhörens erst in weiten Teilen der Gesellschaft durchgesetzt hat. Werden dort vielleicht in gar nicht so ferner Zukunft die Hits der 70er und 80er Jahre regelmäßig zu finden sein, weil viele Menschen diese Musik lieben und weiterhin hören? Oder führt das Musik-Streaming dazu, dass auch Altersgruppen, die bisher eher bei dem geblieben sind, was sie in jüngeren Jahren kennengelernt haben, sich auf einer ständigen musikalischen Entdeckungsreise befinden?

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Ich bin Blogger und schreibe neben Musik über Themen wie Web 2.0, Mobilfunk und Kaffee.
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