Musik mitschneiden aus dem Radio hat sich verändert. Erst wenn ich daran denke, wie viel Arbeit ich mir in meiner Jugend damit gemacht habe, meine Musiksammlung durch Radiomitschnitte zu erweitern, kann ich die Software “Radio.fx Pro 6″ angemessen würdigen.
Musik aus dem Radio mitzuschneiden war aufwendig und man musste viele Stunden Radio hören, um im richtigen Moment schnell die Aufnahme zu starten. Eine besondere Schwierigkeit bestand darin, die Restlaufzeit einer Musikkassette richtig einzuschätzen, um wichtige Lieder vollständig aufnehmen zu können. Obwohl ich auf diese Weise lange keine Musik mehr aus dem Radio aufgenommen habe, könnte ich aus dem Stand heraus einige Tipps geben, fällt mir gerade auf. Doch hier soll es ja um die für Computer mit Windows und Mac OS erhältliche Mitschnittsoftware “Radio.fx Pro 6″ gehen, die vom Ulmer Softwareunternehmen S.A.D. veröffentlicht worden ist.
Automatisch im Hintergrund Musik einsammeln
Das Programm ermöglicht das vollautomatische Mitschneiden von Radiomusik mehrerer Sender gleichzeitig, sodass die eigene Musiksammlung im Minutentakt wächst, wenn man dies wünscht. Es kann beim Hochfahren des Computers automatisch gestartet werden, sodass man alle Lieder ausgewählter Radiostationen im Hintergrund aufzeichnen kann, ohne sich aktiv damit zu beschäftigen. Eine Beschränkung auf eine bestimmte Anzahl Streams gibt es nicht, sodass man mit einem schnellen Internetanschluss und einem leistungsfähigen Computer mehrere Songs pro Minute auf seiner Festplatte speichern kann – legal, denn Musik mitschneiden aus dem Radio ist schließlich nicht verboten.
Mehr als 1.500 Livestreams von Radiosendern bringt “Radio.fx Pro 6″ mit. Besonders zu empfehlen ist der Mitschnitt von Musik aus Streams, die unmoderiert, ohne Werbung und am besten noch ohne Stationskennungen einfach ein Lied nach dem anderen spielen. Dann muss man seine Aufnahmen später nicht noch zurechtschneiden. In “grober Form” erledigt “Radio.fx Pro6″ das Schneiden allerdings schon von sich aus, indem aus dem laufenden Stream Titel für Titel separat gespeichert wird. Zusätzliche Infos wie Liedtexte und Cover-Bild erfasst dieses Streaming-Tool ebenfalls automatisch.
Gut gemachte Oberfläche
Sehr gut gefällt mir die Benutzeroberfläche der Software, die übersichtlich und professionell wirkt. Dennoch sollte man ein wenig im Benutzerhandbuch lesen, weil die Funktionsfülle einen zu Anfang verwirren kann. Bei der Anleitung haben sich die Macher Mühe gegeben, das merkt man schon beim ersten durchblättern. Ohne das fast 80 Seiten dicke Handbuch würde man einige nützliche Funktionen bestimmt übersehen.
Um einfach bloß ein wenig Musik von Internetradios aufzunehmen, ist “Radio.fx Pro 6″ vielleicht überdimensioniert, doch es lohnt sich, näher hinzusehen, denn die zahlreichen Einstellungen sorgen nach kurzer Einarbeitung für einen Grad an Komfort beim Musik mitschneiden, den man bald nicht mehr missen möchte. So ist es beispielsweise möglich, Radioaufnahmen via EPG und Timer zu programmieren – nützlich, wenn man etwa ein ganz spezielle Radiosendung aufzeichnen möchte.
Mehr als nur das Wichtigste
Gut gefallen hat mir zudem die Möglichkeit, direkt aus der Liste der aufgezeichneten Lieder eines davon per E-Mail als MP3-Datei verschicken zu können. Allgemein wirkt das Bedienkonzept sehr durchdacht, aber ein wenig Zeit zum Ausprobieren muss man sich bei manchen Funktionen wie der Bearbeitung der Stream Tags schon nehmen. Einige Musikfans werden sich über die Integration von Facebook-Funktionen freuen.
Praktisch: Die meistgehörten Sender – schließlich lässt sich Musik mit dem Tool nicht nur komfortabel mitschneiden, sondern auch einfach im laufenden Programm hören – können in der neuen Version der Software über den “Sender-Schalter” schnell gewechselt werden. >>Zu den Neuerungen in den Version 6 zählt ein für Windows-7-Touch- und Multi-Touch-Displays optimierter Player namens djukebox, der die alte Jukebox ersetzt. Mit Hilfe der djukebox blättern Anwender blitzschnell durch ihre Musiksammlung, denn das jeweilige Plattencover wird automatisch in der Player-Oberfläche anzeigt<<, heißt es im Pressetext zu weiteren neuen Funktionen. >>Auf Wunsch lassen sich neue Abspiellisten manuell per Drag & Drop oder mit der Funktion AutoCollect automatisch erstellen.<<
Den PC vor zu neugierigen Partygästen schützen
Eine gute Idee ist der ebenfalls neue “KioskMode”. Der Computer kann damit in einen Zustand gebracht werden, in dem er vorübergehend nur zum Abspielen der Musik verwendet werden kann. Das ist zu empfehlen, wenn andere Personen in der Nähe sind und man nicht die ganze Zeit im Blick hat, was diese tun – etwas wenn man zu Hause eine Party gibt und die Musik vom PC kommt. Für den Party-Einsatz gedacht ist außerdem die “PrePlay”-Funktion, für die man allerdings eine zweite Soundkarte im Rechner benötigt. Dann lässt sich bei der Nutzung von “Radio.fx Pro 6″ Musik getrennt vom gerade abgespielten Titel vorhören, am besten über einen Kopfhörer.
Die unverbindliche Preisempfehlung von S.A.D. für die Box-Version “Radio.fx Pro 6″ lautet 19,99 Euro. Damit erhält man die Lizenz für ein Jahr. Angesichts der vielen, vielen Songs, die man innerhalb eines Jahres am Computer aus dem Radio damit bequem aufzeichnen kann, sollte der Kaufpreis kein Hinderungsgrund für den Einsatz des Tools sein.








12. Juli 2012 bei 18:12
Schöne neue Welt der digitalen Werkzeuge… – Stimmt, es hat schon was, mit wenigen Klicks zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Dazu noch in TOP-Qualität!
Dennoch ist es ein zweischneidiges Schwert; “…Erst wenn ich daran denke, wie viel Arbeit ich mir in meiner Jugend damit gemacht habe, meine Musiksammlung durch Radiomitschnitte zu erweitern,…”
Hat zwar wirklich Arbeit gemacht und (zumindest zu meiner Zeit) Kassetten neigten irgendwann dazu, immer öfter in Bandsalat zu enden. ABER, man hat sich damals viel genauer überlegt, was denn nun tatsächlich in der Musiksammlung Platz finden dürfe. Ob sich die heutige Generation auch noch nostalgischen Gedanken (wie wir?) hingeben wird, wenn sie denn – einmal um Jahrzehnte älter geworden – alte Archive durchstöbert oder ob sie sich fragen wird, was ist das nur alles für ein unüberlegt zusammengeklatschter Haufen Mist?
Kann man nur hoffen, dass der User von heute sich ein Auge für gut und richtig gut bewahrt.
12. Juli 2012 bei 18:38
Danke für Deinen Kommentar!
Was das Zusammenstellen von Kassetten mit Musik angeht, steckten da auf jeden Fall viel mehr Überlegungen als heute hinter.
Was allerdings das Aufnehmen aus dem Radio angeht, bekam man dort größtenteils nur Mainstream-Musik. Muss ja nicht schlecht, aber heute bekommt man sehr viel leichter das, was einem am besten gefällt. Allein schon die zum Teil sehr speziellen Internetradiosender ermöglichen das schon. Dass das Mitschneiden heute so viel einfacher ist, kann da eher als Bonus gesehen werden.
Als was mich angeht, bin ich heute sehr viel wählerischer beim Musikhören – weil ich es kann. Das war früher so gar nicht möglich, obwohl ich sehr viel von meinem Geld für Platten ausgegeben hatte.