Smart Radio: Hörfunk-Branche setzt Hoffnungen auf Internetfunktionen

Das Internet verändert alles, auch das Medium Radio. Nach Abschluss umfangreicher Praxistests setzen die Privatradios ihre Hoffnungen auf eine Verknüpfung von Hörfunk und Internet.

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Den etablierten UKW-Radiosendern kann es nur recht sein, dass die allermeisten Hörer weiterhin in erster Linie analog Radio hören und nicht einmal den Umstieg auf Digitalradio angegangen sind. Die geringe Senderauswahl sichert den Stationen ein großes Publikum, solange die Verbraucher dem Medium Radio treu bleiben.

Mehr Auswahl bei digitalem Radio

Digitales Radio ermöglicht nicht zuletzt eine größer Auswahl für die Hörer, was mehr Konkurrenz für die Anbieter bedeutet. Andererseits sorgt technischer Stillstand dafür, dass das Medium Hörfunk langfristig an Attraktivität verliert.

„Unsere Vision ist ein Radio, das multimedial ist und die Hörer weiterhin fasziniert. Smart Radio über RadioDNS mit der Verknüpfung von UKW und Internet ist dafür ein vielversprechender Weg“, erläutert Klaus Schunk, Fachbereichsvorsitzender Radio und Audiodienste im Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT) sowie Geschäftsführer und Programmdirektor bei Radio Regenbogen.

Hintergrund ist die abgeschlossene Erprobungsphase von Smart Radio. In den 90ern hätte man wohl einen Begriff wie Multimedia-Radio verwendet, aber vor dem Hintergrund des enormen Erfolgs von Smartphones ist die Wahl des Begriffs Smart Radio geschickt. Von Hybrid-Fernsehen spricht heute ja auch keiner mehr, sondern von Smart TV. Passt schon.

Zusätzliche Informationen zum laufenden Programm

Den Radiohörern auf einem Display am Gerät Zusatzinformationen wie Fotos/Grafiken zu bieten, ist absolut nicht neu. Davon war schon in den 90ern im Zusammenhang mit Digital Audio Broadcasting (DAB) die Rede. Interessanter sind daher interaktive Anwendungen, welche in Zukunft möglich sein sollen.

Basis für Smart Radio ist der offene technische Standard RadioDNS, mit dem die Sender durch Verbindung ihres Radiosignals mit einem Internetservice Zusatzinhalte bereitstellen können. Wichtiges Detail: Der Verbreitungsweg des Hörfunksignals ist dabei unerheblich. Es funktioniert nicht nur mit Digitalradio und Internetradio, sondern ebenso bei analogem UKW-Radio.

Im Anschluss an die praktische Erprobungsphase erklärt Karlheinz Hörhammer, Mitglied des Fachbereichsvorstandes Radio im VPRT und Geschäftsführer von Antenne Bayern und ROCK ANTENNE: „Wir haben mit der Testreihe die Voraussetzungen für die Radioinnovation geschaffen und stellen die zusätzlichen grafischen Inhalte bereit – die vielbeschworene Henne-Ei-Frage bei Geräteinnovationen ist damit an dieser Stelle gelöst“.

Angebote sind in Vorbereitung

Zahlreiche Privatradios nehmen die Ergebnisse des Tests zum Anlass, Smart Radio-Angebote vorzubereiten. „Unsere Sender werden in diesem Jahr starten, die Vorbereitungen laufen“, verkündet etwa Hans-Jürgen Kratz, Geschäftsführer von Antenne Thüringen, radio TOP 40 und ebenfalls Mitglied im Radiovorstand. HIT RADIO FFH, planet radio, harmony.fm, LandesWelle Thüringen, 104.6 RTL, 105´5 Spreeradio, Radio Regenbogen sind weitere Radiosender, die mit ihren technischen Vorbereitungen schon angefangen haben.

Zukunftsweisend könnte die Zusammenarbeit von Antenne Niedersachsen mit der Automobilindustrie im Rahmen von „Radio Interaktiv“ sein. Dabei gibt es erste Erkenntnisse zur Anreicherung des linearen Radiosignals um personalisierte Inhalte auf Abruf. Die Automobilindustrie hat schon immer eine wichtige Rolle für das Medium Radio gespielt. Nach wie vor ist das Autofahren die wichtigste Situation, in der Musik gehört wird, das hat gerade erst wieder eine Untersuchung zur Musiknutzung gezeigt.

Manch einer ist sicher skeptisch, muss Radio interaktiver werden? Ich denke ja, wobei ich eher von personalisierten Inhalten sprechen würde. Auf lange Sicht steht das Medium Radio vor einem gewaltigen Problem, welches es mit dem Fernsehen teilt: Haben lineare Programme überhaupt eine Zukunft? Beim Fernsehen zeichnet sich bereits ab, wie zeitversetzter, individueller Medienkonsum an den Geschäftsmodellen der Sender nagt.

Live: Musik aus der Konserve

Bei einem Nachrichtensender oder – noch besser – einem Talk-Radio – gibt es gute Argumente, das betreffende Programm „live“ zu hören. Doch die meisten Radiosender bestreiten den größten Teil ihrer Sendezeit mit Musik. Warum sollen sich Tausende Menschen gleichzeitig ein bestimmtes Lied anhören, das jemand anderes für sie ausgesucht hat? Ich glaube nicht, dass das eine Zukunft hat.

Zudem ist die gespielte Musik in der Regel alles andere als ein exklusiver Inhalt, sondern kann nicht nur auf anderen Sendern (dank Internet hat man die Wahl zwischen Tausenden anderen Sendern), sondern beispielsweise auch bei Musikstreaming-Diensten gehört werden. Moderatoren mit Persönlichkeit und exklusive Inhalte können den Unterschied machen, aber meiner Überzeugung nach muss das alles in einem personalisierten Mix (zusätzlich gezielt auf Abruf) angeboten werden. Smart Radio könnte hierfür die technische Basis bilden.

Über Oliver Springer 368 Artikel
Ich bin Blogger und schreibe neben Musik über Themen wie Web 2.0, Mobilfunk und Kaffee.
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