Musikstreaming: Nutzung innerhalb eines Jahres fast verdoppelt

Im ersten Halbjahr 2014 wurden in Deutschland fast doppelt so viele Songs gestreamt wie im ersten Halbjahr 2013. Die Umsätze haben sich ebenfalls nahezu verdoppelt.

Neue Zahlen vom Bundesverband Musikindustrie (BVMI) ergänzen sehr gut die BITKOM-Daten zur Entwicklung der Userzahlen beim Musikstreaming, über die wir vorige Woche berichtet haben. Während der BITKOM den Schwerpunkt darauf legte, wie viele Internetnutzer überhaupt Musik streamen, ging es dem BVMI besonders um die Zahl der einzelnen Abrufe und die Umsätze.

Die Umsätze der werbe- und abonnementbasierten Streaming-Anbieter betrugen in der ersten Jahreshälfte 2013 erst 30,1 Millionen Euro, in den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es 57,4 Millionen Euro. Sicher, gemessen an den Gesamtumsätzen der Musikindustrie in Deutschland ist das nicht besonders viel. Dennoch zeigt das Plus von 91 Prozent, dass der Medienwandel in vollem Gange ist.

Marke von 1 Milliarde Streams pro Monat durchbrochen

Noch deutlicher wird dies bei der Betrachtung der tatsächlichen Nutzung: >>Nach einer Auswertung der GfK Entertainment GmbH stieg die Anzahl der Streams auf Audioplattformen von 2,8 Mrd. Streams im ersten Halbjahr 2013 auf rund 5 Mrd. Streams in den ersten sechs Monaten dieses Jahres an“, schreibt der BVMI in seiner Presseinformation. Allein im Juni wurden – erstmals – über eine Milliarde Streams gemessen.

Grafik: Bundesverband Musikindustrie
Grafik: Bundesverband Musikindustrie

Am häufigsten gehört wurden die Titel „Waves“ (im Robin Schulz Remix) von Mr. Probz, „Rather Be“ von Clean Bandit ft. Jess Glynne sowie „Happy“ von Pharrell Williams, allesamt aktuelle Titel, die in den Deutschen Single-Charts erfolgreich waren und daher auch eine große Präsenz in Radio und Fernsehen hatten. Allerdings sind die Genres Dance und Hip-Hop hier stärker als in den Charts vertreten, was mit der unterschiedlichen Popularität von Musikstreaming in den verschiedenen Altersgruppen zu tun haben dürfte.

Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des BVMI: „Die Streamingzuwächse zeigen, dass diese neue Möglichkeit, Musik zu nutzen, auch in Deutschland immer besser ankommt. Nach zahlreichen Markteintritten in den vergangenen zwei Jahren lässt sich neben ersten Konsolidierungsanzeichen derzeit auch der Eintritt von im Musikbusiness etablierten Playern in diesen attraktiven neuen Markt beobachten.“

Eine besonders große und individuelle Musikauswahl haben die Anbieter kostenpflichtiger Streaming-Flatrates. Was das angeht, stehen hierzulande aktuell 15 verschiedene von den Musikfirmen lizenzierte Dienste zur Wahl. Einige davon haben über 20 Millionen Songs im Repertoire. Für weiteres Wachstum in der Branche wird voraussichtlich eine zunehmende Bekanntheit solcher Angebote sorgen. Wie der BVMI in Befragungen herausfand, haben viele Deutsche zwar schon von Musikstreaming gehört bzw. es bereits genutzt, aber es bestehen zum Teil erhebliche Wissenslücken. Das deckt sich mit anderen Untersuchungen, beim Durchschnittsbürger ist Streaming bisher nicht angekommen.

Weiter großer Aufklärungsbedarf bei Verbrauchern

>>Während jüngere Zielgruppen oftmals ein diffuses Bild vom Streaming haben, assoziieren über Dreißigjährige Streaming eher mit der Onlinenutzung von Filmen oder Serien, was bei vielen auch Unsicherheiten hinsichtlich der Legalität mit sich bringt<<, stellt der BVMI fest. Manche Teenager decken mittlerweile nahezu ihren gesamten Bedarf über kostenpflichtige und kostenlose Streamingdienste. Wer etwas älter ist, kombiniert Streaming eher mit dem Kauf von MP3s, CDs oder Schallplatten und schätzt an den Streamingportalen besonders die Möglichkeit, neue Musik für sich zu entdecken.

Drücke: „Auch wenn durch die breite Medienberichterstattung der letzten Monate die Bekanntheit des Musikstreamings maßgeblich zugenommen hat, stellen wir fest, dass viele Menschen noch nicht genau wissen, was es mit dem Streaming auf sich hat. Auch deshalb haben wir im vergangenen Jahr die Initiative PLAYFAIR ins Leben gerufen, die eine klare Einordnung darüber schafft, welche Bezahldienste tatsächlich mit den Künstlern und ihren Partnern zusammenarbeiten und diese an den Einnahmen beteiligen.“

Welchen Stellenwert hat Streaming für Eure Musikversorgung? Bei mir ist es seit 2005 die wichtigste Quelle für Musik, denn mir ist eine große Auswahl und eine bequeme Nutzung wichtig. Was Letzteres angeht, gibt es zwar noch viel Verbesserungspotenzial bei den Anbietern, die ich ausprobiert habe. Angenehmer als eine CD oder Schallplatte im Regal zu suchen und aufzulegen ist das, was Streamingportale zu bieten haben, aber allemal.

Über Oliver Springer 368 Artikel
Ich bin Blogger und schreibe neben Musik über Themen wie Web 2.0, Mobilfunk und Kaffee.
Kontakt: Webseite

3 Trackbacks & Pingbacks

  1. Deutscher Musikmarkt: Weniger CDs, mehr Streaming! | Bandscomeback
  2. Musikdownloads bald nicht mehr gefragt? | Bandscomeback
  3. Was macht Musikstreaming so beliebt? | Bandscomeback

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website benutzt Cookies. Wenn Du die Website weiter nutzt, stimmst Du der Verwendung von Cookies zu. Bitte beachte unsere Informationen zum Datenschutz! Link zum Datenschutzhinweis

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen