Musikdownloads bald nicht mehr gefragt?

Download-Musik wird in wenigen Jahren nur noch ein Nischenangebot sein, prognostiziert der Verband eco. Das Streaming löst das Downloaden ab, erwarten die Experten.

Logo: eco - Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V.
Logo: eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V.

Bevor wir uns mit der Zukunft des Musikhörens befassen, lasst uns einen Blick auf den gegenwärtigen Stand werfen: Mitte des Monats hatte der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) Daten zur Entwicklung des deutschen Musikmarkts im ersten Halbjahr 2014 veröffentlicht. Physische Tonträger mit der CD als Nummer eins sorgten zwischen Januar und Juni für 73,5 Prozent der Umsätze. Der Wandel zum digitalen Musikkonsum im Allgemeinen und zum Streaming im Besonderen verläuft in Deutschland vergleichsweise schleppend.

Gleichwohl registrierte man neben einem Rückgang bei den CD-Umsätzen erstmals rückläufige Umsätze im bis dahin stets gewachsenen Geschäft mit Musikdownloads, während die Streaming-Umsätze – allerdings auf niedrigem Niveau – sich im Jahresvergleich deutlich erhöht hatten. Es ist gut, die aktuellen Zahlen zu kennen, wenn man sich mit der Einschätzung des eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V. – beschäftigt. Im Vorfeld der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin prognostiziert der Verband einen massiven Bedeutungsverlust für Musikdownloads.

Streamingangebote würden diese innerhalb der kommenden Jahre verdrängen. Michael Westphal, Leiter der eco Kompetenzgruppe Streaming Media (streaming-media.eco.de), erwartet für die Musikbranche die nächste große Revolution: „Die Einstellung des Telekom-Dienstes Musicload im Frühjahr 2014 ist Zeichen eines eindeutigen Trends: Angesichts eines immer attraktiver und preisgünstiger werdenden Streamingangebots verlieren immer mehr Menschen das Interesse an MP3-Downloads.“

Herausforderung für iTunes und Amazon

Sogar die jetzigen Marktführer iTunes und Amazon seien nicht sicher, weil sie den Anschluss zu verlieren drohen. Sie müssten bald mit eigenen Angeboten zum Streaming von Musik nachziehen, um auf dem deutschen Markt relevant zu bleiben. Es bleibe abzuwarten, ob der von Apple in den USA bereits angebotene Dienst Beats Music und der ebenfalls in den USA von Amazon angebotene Dienst Amazon Prime Music sich gegen hierzulande etablierte Anbieter wie Spotify, Deezer und simfy werden durchsetzen können – falls sie einmal in Deutschland starten sollten.

Sowohl Apple als auch Amazon haben neben ihren starken Marken zumindest einen weiteren Pluspunkt: ihre jeweils sehr große Nutzerbasis, die sie mit anderen Diensten aufgebaut haben. „Neben einem mobilen Angebot und überschaubaren monatlichen Kosten ist vor allem ein umfangreicher Musikkatalog ein entscheidender Faktor. Das Fehlen großer Musiklabels – wie etwa Universal bei Amazon Prime Music – könnte daher zu einem entscheidenden Hindernis werden“, so Westphal.

Riesige Auswahl und niedriger Preis

Die User schätzen beim Streaming von Musik die sehr große Auswahl an Songs, die ihnen zur Verfügung steht. Manche Dienste führen über 25 Millionen Titel in ihrer Musikbibliothek. Gegen eine geringe monatliche Gebühr (bei rein stationärer Nutzung ab rund 5 Euro) jeden dieser Songs hören zu können, finden viele Musikfans attraktiv. Da es bei fast allen Anbietern eine kostenlose Probierphase gibt, müssen die Interessenten erst dann zu zahlenden Kunden werden, wenn sie vom jeweiligen Angebot überzeugt sind.

„Aus unserer Sicht gibt es keine Zweifel: Streaming ist die Zukunft der digitalen Musik und wird die gesamte Musikbranche in den nächsten Jahren von Grund auf verändern. Wer sich jetzt nicht darauf einstellt, bleibt auf der Strecke“, ist Westphal ist überzeugt. Mit Blick auf die BVMI-Daten erscheint diese Vorhersage gewagt, da Musikstreaming in Deutschland beim Durchschnittsbürger noch gar nicht angekommen ist. Doch in manchen Ländern ist es fast schon so weit. In Norwegen und Schweden beispielsweise stammen mehr als zwei Drittel der Gesamtumsätze der Musikundustrie bereits aus dem Streaming.

Was glaubt Ihr – wird nicht nur die CD aussterben, sondern wird sich bald auch kaum noch jemand für Musikdownloads interessieren? Ich bin seit Jahren überzeugter Streaming-User und kaufe nur ausnahmsweise MP3s. Fragt gar nicht erst nach CDs!

Über Oliver Springer 368 Artikel
Ich bin Blogger und schreibe neben Musik über Themen wie Web 2.0, Mobilfunk und Kaffee.
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