Deutscher Musikmarkt: Streaming-Erlöse legen um 78,6 Prozent zu

Dank der Zuwächse beim Streaming wuchs der deutsche Musikmarkt letztes Jahr um 1,8 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro. Die gute Entwicklung, die der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) zu Jahresbeginn prognostiziert hat, wird durch inzwischen vorliegende Zahlen bestätigt.

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Ein Zuwachs um 1,8 Prozent ist zwar nicht sehr groß, doch wer hätte vor nicht langer Zeit geglaubt, dass der deutsche Musikmarkt überhaupt wieder signifikant wachsen könnte? Der Anstieg in 2014 ist bereits der zweite infolge. Wie in 2013 waren es die Zuwächse im Digitalgeschäft, die für das Umsatzwachstum sorgten. Anders als in 2013 schrumpfte das Segment Kauf-Downloads bereits wieder, doch der Boom beim Streaming hielt an.

Digitales Musikgeschäft erreicht 25-Prozent-Marke

Betrug das Umsatzplus beim Streaming in 2013 noch 91 Prozent, lag es 2014 bei nur noch 78,6 Prozent. Der Streaming-Anteil am Gesamtumsatz kletterte dennoch von 4,7 Prozent auf 8,2 Prozent. Der Anteil des Digitalgeschäfts am Gesamtumsatz erhöhte sich von 22,6 Prozent auf 25,1 Prozent und erreichte damit ein Volumen von 371 Millionen Euro. Das physische Geschäft verlor 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, blieb aber insgesamt stabil. Das ist nicht selbstverständlich, denn in manchen Ländern haben sich die Verhältnisse bereits umgekehrt.

Deutscher Musikmarkt 2014 | Grafik: BVMI mit Daten der GfK
Deutscher Musikmarkt 2014 | Grafik: BVMI mit Daten der GfK | Anklicken zum Vergrößern!

Prof. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des BVMI: „Der deutsche Musikmarkt ist durch seinen Mix aus maßvoller digitaler Dynamik bei gleichzeitiger physischer Stabilität in einer verhältnismäßig komfortablen Situation. Wir sind jedoch noch immer mittendrin im digitalen Transformationsprozess mit noch offenem Ausgang. Umso wichtiger ist, dass wir in der Debatte um die Digitale Agenda der Bundesregierung, aber auch mit Blick auf die europäische Ebene, nicht nachlassen und uns als Inhalte-Produzenten gegenüber der Politik klar positionieren. Dies auch im Schulterschluss mit den anderen Kreativbranchen, unseren Partnern in der Deutschen Content Allianz, wenn wir die tiefgreifenden Umwälzungen, die uns noch bevorstehen, weiterhin in ökonomische Chancen verwandeln wollen.“

Interessant ist der große Erfolg einheimischer Künstler, welche die internationalen Acts mehr als nur überholt haben. Die deutschen Musiker haben gewissermaßen einen Umsatzvorsprung in Höhe von 157 Millionen Euro erreicht. Diese Entwicklung betrifft insbesondere Pop-Produktionen: Deutsche Produktionen aus diesem Genre erzielten ein Plus von 16,6 Prozent gegenüber 2013, ausländische Popkünstler büßten 18,3 Prozent ihrer Umsätze ein.

Musikkassetten bedeutungslos, Schallplatten mit vielen Fans

Bei lediglich einer Million Euro Umsatz in 2014 spielen Musikkassetten keine Rolle mehr für den deutschen Musikmarkt. Das Nischengeschäft mit Schallplatten dagegen verzeichnete ein Umsatzplus von 33,3 Prozent, insgesamt wurden rund 1,8 Millionen Platten verkauft. Der Anteil am Gesamtumsatz stieg von 2 Prozent auf 2,6 Prozent, womit der Stand aus 1992 erreicht wurde. Der Anteil könnte sogar höher sein, denn in den Presswerken gibt es gar nicht genug Maschinen, um das Interesse an Vinyl-Veröffentlichungen angemessen zu bedienen.

An anderer Stelle könnte es eine ähnliche Verzerrung geben: Für Musikstreaming-Dienste ist es ein Problem, dass die Traffic-Grenzen in Smartphone-Tarifen allgemein recht niedrig sind. Mit 500 bis 2.000 MB (in diesem Rahmen bewegen sich die meisten Traffic-Grenzen) lässt sich das Streaming-Angebot nur eingeschränkt nutzen, zumal es noch andere beliebte datenintensive Dienste gibt. Obwohl beim Streaming von Musik anders als beim Videostreaming keine extrem großen Datenmengen anfallen, kommt über die Zeit doch ein großes Datenvolumen zusammen. Musik hören viele Menschen unterwegs mehrere Stunden am Tag, das lässt sich via Streaming in den meisten Mobilfunktarifen nicht machen. In manchen Teilen Deutschlands ist sogar der mangelnde Breitband-Ausbau im Festnetz ein Hindernis für diese Art von Musikkonsum.

Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie: „Unsere Januar-Prognose war eine Punktlandung. 1,48 Milliarden Euro Umsatz und 1,8 Prozent Wachstum sind ein positives Signal in der Konsolidierungsphase – gerade auch im europäischen Kontext! Der Blick auf die nun vorliegenden Zahlen zeigt: Der aktive Umgang der Branche mit den sich ausdifferenzierenden Wegen, Musik vom Künstler zum Fan zu bringen, zahlt sich aus. Dass neben der neuesten Nutzungsform, dem Streaming, gleichzeitig Vinyl als älteste Nutzungsform im Markt weiter wächst, zeigt einmal mehr, dass die Vielfalt der Kanäle im Ergebnis mehr sein kann als die Summe der einzelnen Teile. Der Umsatzvorsprung unserer nationalen vor den internationalen Künstlern ist sehr deutlich und sollte ein Ansporn für die deutsche Musikszene sein.“ Den kompletten Bericht „Musikindustrie in Zahlen 2014“ veröffentlicht der BVMI am 25. März im Rahmen seiner Kulturkonferenz in Berlin.

Über Oliver Springer 368 Artikel
Ich bin Blogger und schreibe neben Musik über Themen wie Web 2.0, Mobilfunk und Kaffee.
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