20 Millionen User – Musikstreaming ist im Massenmarkt angekommen

Millionen Lieder rund um die Uhr jederzeit anhören zu können ist kein Wunschtraum mehr. Tatsächlich ist das Streaming von Musik in Deutschland endlich raus der Nische und im Massenmarkt angekommen.

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Im März 2014 trug ein Artikel hier im Blog den Titel „Musikstreaming noch nicht beim Durchschnittsbürger angekommen“. Die Umfrage, um die es damals ging, belegte zwar die enormen Zuwächse beim Streaming von Musik, aber insgesamt war die Bedeutung hierzulande noch klein. Eine neue Umfrage, dieses Mal vom Digitalverband BITKOM beauftragt, weißt eine Userzahl von 20 Millionen aus.

Vier von zehn Onlinern ab 14 Jahren – das sind 37 Prozent der Internetnutzer in Deutschland – konsumieren über Streaming-Dienste wie Deezer, Spotify, Napster, Rdio und Soundcloud Musik. Das entspricht 20 Millionen Menschen. Im Vergleich zu einer entsprechenden Umfrage im Vorjahr ist die Zahl der Streaming-Hörer zwar nur um 2 Millionen gewachsen. Im Vergleich zum Jahr 2013, als es erst 6 Millionen User gab, sind es heute mehr als dreimal so viele Nutzer von Musikstreaming. In nur zwei Jahren!

Revolution braucht Zeit

„Streaming hat den Musikmarkt revolutioniert. Immer mehr Nutzer greifen über schnelle Datennetze auf riesige digitale Musikarchive zu“, sagt BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. So beeindruckend der Sprung der vergangenen zwei Jahre ist – es dauerte, bis sich das Streaming-Modell durchgesetzt hat. Gegen eine geringe Monatsgebühr aus dem Vollen schöpfen können, das geht in Deutschland spätestens, seit Napster Ende 2005 seine Musik-Flatrate startete.

Damals stieß das Prinzip weitgehend auf Unverständnis. Jeden Monat Geld bezahlen, obwohl man die Musik nicht behalten und auf CD brennen konnte? Grundsätzliche Kritik dieser Art hört man heute recht selten, auch in anderen Bereichen – denken wir an Onlinevideotheken wie maxdome, Amazon Instant Prime Video, Snap, WATCHEVER und Netflix – hat sich das Flatrate-Modell etabliert.

Unter jungen Menschen weit stärker verbreitet

Nicht überraschend, aber auffallend ist das Altersgefälle: Von den 14- bis 29-jährigen Befragten hört eine Mehrheit von 53 Prozent Musik über Audio-Streaming-Dienste. In der Gruppe zwischen 30 und 49 Jahren sind es immerhin 39 Prozent. Von den Befragten zwischen 50 und 64 Jahren nutzen diese Möglichkeit nur 28 Prozent, in der Altersgruppe ab 65 Jahren sind es sogar lediglich 15 Prozent.

Wer Musikstreaming nutzt, macht das meist nicht nur ausnahmsweise. Acht von zehn Usern (83 Prozent) streamen regelmäßig Musik, 50 Prozent sogar jeden Tag. Unter den 14 bis 29 Jahre alten Umfrageteilnehmern nutzen 88 Prozent Musikstreaming regelmäßig, 60 Prozent täglich.

Nachholbedarf bei der Zahlungsbereitschaft

Über eines täuschen die hohen Userzahlen allerdings hinweg: Die Zahlungsbereitschaft wächst zwar, aber die große Mehrheit der Musikstreaming-User bedient sich ausschließlich kostenloser Angebote. Das muss kein Problem sein, immerhin sorgt in Deutschland weiterhin die CD für den Großteil der Branchenumsätze. Viele User der Streamingangebote nutzen diese wohl nur zusätzlich, etwa um neue Musik vor dem Kauf zu testen bzw. diese überhaupt erst kennenzulernen.

Wenn die geringe Vergütung für Künstler kritisiert wird, sollte berücksichtigt werden, dass die vielfältigen Streamingangebote inzwischen sehr wichtig für die Promotion ist. Zum Beispiel SoundCloud wird von Künstlern und Labels stark unter diesem Aspekt genutzt. Nach dem Gratis-Streaming wird vielleicht das Album als CD bestellt, der Klingelton gekauft, Konzertkarten reserviert oder der Fanartikelshop besucht.

Ab 5 Euro pro Monat

Dennoch wäre ein höherer Anteil zahlender Nutzer wünschenswert, derzeit bezahlt nur knapp jeder fünfte User (19 Prozent) für Musikstreaming. Dabei kann man bereits ab 5 Euro im Monat einsteigen und hat gegenüber den Gratisnutzern erhebliche Vorteile. Ab rund 10 Euro monatlich ist eine Nutzung mittels Apps auf zahlreichen verschiedenen Geräten möglich.

Kostenlose Angebote sind meistens werbefinanziert, ein wenig Geld kommt da zwar zusammen. Wenn Musikstreaming den Kauf von CDs ersetzen soll, ist es allerdings wichtig, dass sich mehr Musikfans ein Abo für ein paar Euro pro Monat gönnen. Der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) nannte 2014 für 2013 den Betrag von 4,67 Euro als Durchschnittswert – mehr gaben Musikkäufer pro Monat in Deutschland nicht aus. Steigt die Mehrheit der Käufer auf ein Abo zwischen 5 und 10 Euro im Monat um, würden sich die Einnahmen in der Branche deutlich erhöhen.

Wie viel davon bei den Künstlern ankommt, ist eine andere Frage. Aber erstens sind die Künstler nicht die einzigen, die in der Musikbranche wichtige Arbeit leisten. Und zweitens können Streaminganbieter natürlich mehr Geld weitergeben, wenn sie mehr zahlende Kunden gewinnen. Solange die Mehrheit der Hörer kostenlos streamt, gibt es dafür keinen großen Spielraum.

Welchen Stellenwert hat Musikstreaming für Euch? Gehört Ihr zu den zahlenden Nutzern?

Über Oliver Springer 368 Artikel
Ich bin Blogger und schreibe neben Musik über Themen wie Web 2.0, Mobilfunk und Kaffee.
Kontakt: Webseite

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