Streaming sorgt für deutliches Wachstum auf deutschem Musikmarkt

Die Musikindustrie in Deutschland blickt auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2015 zurück. Im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des vorigen Jahres erhöhten sich die Umsätze um 4,4 Prozent. Die Wachstumsimpulse kamen in erster Linie aus dem Streaminggeschäft. Da sich der Downloadmarkt ebenfalls recht gut entwickelte, stammte fast jeder dritte Euro aus dem digitalen Bereich.

Im Jahr 2013 erfolgte auf dem deutschen Musikmarkt eine Trendwende: Nach 15 Jahren Abschwung zogen die Umsätze erstmals wieder an. Mit den neuesten Zahlen, die der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) diese Woche für das erste Halbjahr 2015 vorgelegt hat, ist klar, dass es sich dabei nicht um eine kurze Verschnaufpause für die durch die Digitalisierung gebeutelte Musikwirtschaft handelte, sondern es tatsächlich wieder aufwärts geht.

Anklicken zum Vergrößern! | Grafik: BVMI
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12,8 Prozent der Umsätze aus Streaming

Zwischen Januar und Juni wurden 686 Millionen Euro eingenommen, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus in Höhe von 4,4 Prozent bedeutet. Für die positive Entwicklung sorgte mit Zuwächsen von 87,4 Prozent vor allem das Streaming. Im ersten Halbjahr 2015 kamen 12,8 Prozent der Umsätze aus dem Streaming von Musik, im ersten Halbjahr 2014 waren es erst 7,7 Prozent.

Während das Musikstreaming allgemein das Wachstum im Downloadmarkt ausbremst bzw. sogar für eine rückläufige Entwicklung verantwortlich ist, lief es in Deutschland besser: Im ersten Halbjahr 2014 steuerte das Downloadgeschäft zwar noch 18,6 Prozent bei, dieses Jahr war es zwischen Januar und Juni mit 18,2 Prozent etwas weniger. Trotz des gesunkenen Marktanteils stiegen die Einnahmen aus den Downloadverkäufen um 3,2 Prozent, was mit einer wachsenden Nachfrage nach Download-Alben zusammenhängt. Das digitale Geschäft sorgte im ersten Halbjahr 2015 für 32,1 Prozent und damit für nahezu ein Drittel der Gesamteinnahmen, ein Jahr zuvor stammte bei einem Anteil von 26,5 Prozent wenig mehr als jeder vierte Euro aus digitalen Geschäftsbereichen.

Schallplatten gewinnen weiter Fans

Das Comeback der Schallplatte manifestiert sich in den neuen BVMI-Zahlen ebenfalls. Nach einem Plus von 33 Prozent kamen die großen schwarzen Scheiben auf einen Marktanteil von 3,1 Prozent. Vinyl lag somit nur knapp hinter Musik-DVDs und Blu-rays, die es auf 3,6 Prozent brachten. Den größten Anteil hatten weiterhin CDs, doch nach einem Minus von 3,3 Prozent ist der Abstand zu den anderen Medien erneut etwas kleiner geworden. Im globalen Vergleich hält sich der deutsche CD-Markt indes sehr gut. Insgesamt stammten im ersten Halbjahr 2015 aus dem physischen Vertrieb 67,9 Prozent der Umsätze im deutschen Musikmarkt.

Prof. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des BVMI: „Anhand der Entwicklung des Musikmarktes sehen wir beispielhaft den digitalen Transformationsprozess einer Ökonomie, die von vielen über Jahre als Spätzünder der Digitalisierung betrachtet wurde. Mit ihrer Diversifizierungsstrategie ist sie aber längst nicht nur in der digitalen Realität angekommen, sondern nimmt hier auch eine Pionierrolle ein – wie überhaupt die Branchen der Kreativwirtschaft in ihrer Gesamtheit mit ihren Innovationen deutlich über die Branchengrenzen hinaus Impulse setzen. Sie sind damit Kernbranchen der digitalen Ökonomie.“

BVMI-Geschäftsführer Dr. Florian Drücke: „Das ist ein sehr erfreulicher Trend, der der Branche Mut machen sollte. Für alle, die an den Einnahmen partizipieren, ist das eine gute Nachricht, bedeutet es doch, dass sich der Kuchen insgesamt vergrößert. Der Zuwachs von mehr als 87 Prozent im Musikstreaming übersteigt sogar die Prognose unserer Streamingstudie vom März dieses Jahres. Bei den aktuellen Diskussionen über eine Novellierung des Urheberrechts darf nicht vergessen werden, dass das digitale Lizenzgeschäft verlässliche Rahmenbedingungen benötigt. Dazu gehört auch, dass Kreative und ihre Partner stets an den von den Plattformen generierten Einnahmen angemessen partizipieren.“

Welchen Stellenwert haben bei Euch physische Tonträger? Sind es Sammlerstücke oder seht Ihr im Kauf von CDs und Schallplatten eine Möglichkeit, eine spezielle Band zu unterstützen? Wie beeinflusst Streaming Euch beim Musikkauf?

Über Oliver Springer 368 Artikel
Ich bin Blogger und schreibe neben Musik über Themen wie Web 2.0, Mobilfunk und Kaffee.
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