Streaming jetzt auch für Top 100 der Album-Charts relevant

Kostenpflichtige Musikstreams fließen in Berechnung ein

Wer diese Woche als Abonnent von Apple Music, Deezer, Google Play Music, JUKE, Microsoft Groove, Napster, Qobuz, Spotify oder WiMP bzw. Tidal ein Lied aus einem Album streamt, bestimmt die nächsten Album-Charts mit. Seit Ende voriger Woche werden in Deutschland nämlich erstmals die Streams von Albumtiteln bei der Ermittlung der offiziellen Album-Charts berücksichtigt.

Anklicken zum Vergrößern! | Grafik: Bundesverband Musikindustrie
Anklicken zum Vergrößern! | Grafik: Bundesverband Musikindustrie

Seit etwas mehr als zwei Jahren fließen bereits die Plays von Musikstreamingdiensten in die Berechnung der Deutschen Single Charts ein, allerdings nur solche, die es gegen Bezahlung gibt. Gratis-Streaming zählt nicht. Ebenso wird von nun an bei den Album-Charts verfahren, welche im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI) von GfK Entertainment ermittelt werden. Damit wird Premium-Musikstreaming nun in beiden Top-100-Listen eingerechnet. Die ersten nach den neuen Regularien ermittelten Album-Charts erscheinen am 5. Februar. Für die Album-Charts werden die Plays bei Apple Music, Deezer, Google Play Music, JUKE, Microsoft Groove, Napster, Qobuz, Spotify oder WiMP bzw. Tidal herangezogen.

Ein Titel muss länger als 30 Sekunden laufen, damit er für die Charts gezählt wird. Ob ausgerechnet 30 Sekunden eine sinnvolle Grenze darstellt, sein einmal dahingestellt. Ein Abspielen bis zum Ende wäre vermutlich weitaus weniger aussagekräftig.

Musiknutzung auf unterschiedlichen Wegen

Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des BVMI: „Die deutschen Musikfans hören Musik auf buchstäblich allen Kanälen und in jeder möglichen Form; von der Schallplatte bis zur Datenwolke, vom einzelnen Song bis zum Album. Diese vielfältige Nutzung müssen die Offiziellen Deutschen Charts als zentraler Spiegel für Musikerfolge auch abbilden, um den Markt zuverlässig und in seiner Gesamtheit darzustellen. Nicht zuletzt mit Blick darauf, dass Streaming im vergangenen Jahr einen neuen Wachstumsrekord hingelegt hat und inzwischen in Deutschland fast 14 Prozent der Umsätze ausmacht.“

Dr. Mathias Giloth, Geschäftsführer GfK Entertainment: „Streaming hat den Durchbruch im Musikmarkt dauerhaft geschafft. Ende 2015 wurden in Deutschland täglich bis zu 100 Millionen Musikstreams gezählt – doppelt so viele wie im Vorjahr. Angesichts dieser Zahlen ist die Streaming-Einbindung in die Offiziellen Deutschen Album-Charts die logische Konsequenz. Wir sind gespannt, welchen Einfluss dieses Trendsegment auf den Album-Markt in Zukunft haben wird, dessen größte Säule immer noch die physischen Tonträger sind.“

Das wurde ja Zeit!

Angesichts der stark gestiegenen Bedeutung von Musikstreaming für deutsche Musikhörer erscheint die Berücksichtigung bei den Album-Charts überfällig. Erst vorige Woche meldete der BVMI, dass (ersten Auswertungen zufolge) die Umsätze mit Musikstreaming in 2015 um 96,5 Prozent anstiegen. Dadurch ergibt sich für den Gesamtmarkt ein deutliches Plus, obwohl die CD-Verkäufe signifikant zurückgingen.

Übrigens: Nicht nur die Top 100 für Singles und Alben stützen sich zum Teil auf die Streaming-Einsätze, auch bei den Compilation-Charts, HipHop-Charts, Schlager-Charts, Comedy-Charts, Klassik-Charts und Jazz-Charts werden die Plays bei Premium-Streaming-Diensten miteinbezogen.

Über Oliver Springer 368 Artikel
Ich bin Blogger und schreibe neben Musik über Themen wie Web 2.0, Mobilfunk und Kaffee.
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